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Magenprobleme beim Pferd | WISSEN zu Ursachen, Fütterung & Haltung

Magenabbildung vom Pferd
Magenprobleme beim Pferd sind weit verbreitet und betreffen nicht nur Sportpferde, sondern ebenso Freizeitpferde, Jungpferde und Fohlen. Sie entstehen häufig nicht plötzlich, sondern durch ein Zusammenspiel aus Physiologie, Fütterung, Haltung, Stress und Belastung – können sich unter ungünstigen Bedingungen jedoch auch innerhalb weniger Tage entwickeln. 
Der Pferdemagen stellt besondere Anforderungen an Fütterung und Management, da er kontinuierlich Magensäure produziert und stark von Raufutter, Speichelbildung und Tagesabläufen abhängt. Dieser Artikel erklärt verständlich und fundiert, wie Magenprobleme beim Pferd entstehen, welche Rolle Futter, Haltung und Training spielen und warum ein ganzheitlicher Blick auf den Verdauungstrakt entscheidend ist.


Was versteht man unter Magenproblemen beim Pferd?

Der Begriff Magenprobleme umfasst verschiedene Veränderungen des Pferdemagens:

  • funktionelle Störungen der Magenmotorik

  • Magenschleimhautreizungen (Gastritis)

  • säurebedingte Belastungen

  • Magengeschwüre als mögliche Folge (EGUS)

Man unterscheidet dabei Veränderungen im drüsenlosen oberen Magenbereich, der besonders empfindlich gegenüber Magensäure ist, sowie im drüsenhaltigen unteren Bereich, dessen Schutzmechanismen gestört sein können.

👉 Eine sichere Diagnose ist ausschließlich über eine Gastroskopie möglich.

Besonderheiten des Pferdemagens

Der Magen des Pferdes ist im Verhältnis zu seiner Körpergröße sehr klein (ca. 8–15 Liter bei einem 500-kg-Pferd) und produziert kontinuierlich Magensäure – unabhängig von der Futteraufnahme. Also ganz anders als etwa bei Mensch oder Hund. Anatomisch wird er in zwei Hauptbereiche unterteilt:

  • Drüsenloser Bereich
    Dieser Bereich ist mit Magenschleimhaut ausgekleidet und besitzt keinen eigenen Säureschutz - er ist besonders empfindlich gegenüber Magensäure. Der Säureschutz ergibt sich durch die ständige Raufutterzufuhr. Das Pferd ist ein Dauerfresser, welcher regelmäßig kleine, gut eingespeichelte Pflanzenfasern aufnimmt, der puffernde bicarbonathaltige Speichel und die Fasern fugieren Schutz.

  • Drüsenhaltiger Bereich
    Hier wird Magensäure gebildet. In diesem unteren Bereich ist die Schleimhaut durch einen Schleimfilm, Bicarbonat an der Schleimhautoberfläche sowie eine gute Durchblutung besser geschützt.

Diese Anatomie erklärt, warum der Pferdemagen stark auf Fresspausen, Fütterungsmanagement, Stress und Belastung reagiert.

Warum Kauen, Speichel und Faserstruktur so entscheidend sind

Für den Pferdemagen ist nicht nur entscheidend, was gefüttert wird, sondern in hohem Maß auch, wie gefressen wird.  Nicht jedes Futtermittel wird vom Pferd gleich gekaut. Die Art der Kautätigkeit unterscheidet sich deutlich je nachdem, ob das Pferd lange Halme, kurze Faserbestandteile oder Körner aufnimmt – mit direkten Auswirkungen auf Speichelbildung und Magenschutz. Kauen ist dabei weit mehr als bloße mechanische Zerkleinerung. Jeder Kauvorgang regt die Speichelproduktion an, und Speichel ist einer der wichtigsten natürlichen Säurepuffer im Pferdemagen. 

Lange, strukturstabile Heuhalme zwingen das Pferd zu einer weiten, rhythmischen Seitwärtsbewegung des Unterkiefers. Diese Kaubewegung ist langsam, gleichmäßig und dauert vergleichsweise lange. Genau diese Kieferbewegung stimuliert die Speicheldrüsen besonders stark. Je länger und gleichmäßiger gekaut wird, desto mehr bicarbonathaltiger Speichel wird gebildet. Dieser Speichel gelangt gemeinsam mit den Fasern in den Magen und bildet dort einen stabilen, puffernden Faser-Speichel-Komplex.

Entscheidend ist deshalb die Struktur des Raufutters. Heu mit ausreichend langen, stabilen Halmen fördert langes, ruhiges Kauen und damit eine kontinuierliche Speichelbildung.  Optimal sind lange Halme von etwa 20 bis 30 cm. Als Mindestanforderung gelten Halmlängen von etwa 8 cm – darunter nimmt die Kauaktivität deutlich ab.

Sehr kurzes oder stark gehäckseltes Heu aber auch Getreide etwa verkürzt die Kauzeit deutlich. Das Pferd frisst schneller und kann produziert weniger Speichel und der schützende Faserbrei im Magen fällt dünner aus. Der drüsenlose Magenbereich ist dadurch stärker der Magensäure ausgesetzt. Umgekehrt kann extrem grobes, überständiges oder sehr hartes Heu zwar lange Fresszeiten erzeugen, wird jedoch oft schlechter eingespeichelt und weniger gleichmäßig aufgenommen, was ebenfalls ungünstig sein kann.  Sehr harte, verholzte Halme können bei empfindlichen oder vorgeschädigten Pferden zusätzlich mechanisch belastend wirken.

Optimal ist daher ein strukturreiches, hygienisch einwandfreies, gut getrocknetes Heu, das weder stark verholzt noch zu fein ist. Eine gleichmäßige Struktur, angenehmer Geruch und eine moderate Härte fördern ruhiges Fressen und intensives Kauen. Gerade bei magenempfindlichen Pferden spielt diese Balance eine zentrale Rolle, da sie direkt beeinflusst, wie viel Speichel gebildet wird und wie stabil der Mageninhalt als natürlicher Säurepuffer wirkt.

Fresspausen – Unterbrechungen mit großer Wirkung

Da der Pferdemagen kontinuierlich Säure produziert, sind längere Fresspausen besonders problematisch. Bereits nach wenigen Stunden ohne Raufutter fehlt der schützende Faserbrei im Magen, während die Säureproduktion unverändert weiterläuft. Wiederholen sich solche Pausen regelmäßig, wird die Magenschleimhaut immer wieder belastet. Das Risiko für Schleimhautreizungen und langfristige Magenprobleme steigt deutlich.

Eine möglichst gleichmäßige Raufutteraufnahme über den Tag verteilt ist daher eine der wichtigsten Grundlagen für einen stabilen Magen.

Stress und seine direkte Wirkung auf den Magen

Stress wirkt beim Pferd nicht nur auf Verhalten oder Muskulatur, sondern ganz unmittelbar auf den Verdauungstrakt. Unter Stress verändert sich die Durchblutung der Magenschleimhaut, Schutzmechanismen werden heruntergefahren, und die natürliche Schleimproduktion kann beeinträchtigt sein. Gleichzeitig steigt bei vielen Pferden die Anspannung, was sich negativ auf Fressverhalten und Verdauung auswirkt. Auch wird das entspannte Kauen gestört, die Speichelproduktion verringert sich. 

Stress entsteht dabei nicht nur durch Turniere oder Transporte. Auch Fresskonkurrenz, unruhige Fütterungssituationen, häufig wechselnde Tagesabläufe, Schmerzen oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten können den Magen dauerhaft belasten. Chronischer Stress schwächt die natürliche Widerstandsfähigkeit der Magenschleimhaut und begünstigt die Entstehung von Magenproblemen.

Training auf leeren Magen - ein Risikofaktor

Bei Bewegung, insbesondere bei intensiver Arbeit, steigt durch die Aktivität der Bauchmuskulatur der Druck im Bauchraum (sog. Bauchpresse). Ist der Magen dabei leer, kann Magensäure leichter nach oben schwappen und den empfindlichen drüsenlosen Magenbereich direkt reizen. Werden Pferde häufig und intensiv z.B. in Galopparbeit trainiert, kann dies auf leeren Magen für das Pferd unangenehm werden.

Ist der Magen hingegen mit Raufutter gefüllt, wirkt der gut eingespeichelte Faserbrei als natürlicher Puffer. Pflanzenfasern und bicarbonathaltiger Speichel bilden eine schützende Schicht, die den direkten Säurekontakt deutlich reduziert.

Deshalb reagieren viele Pferde besonders empfindlich, wenn sie mit leerem Magen gearbeitet werden – ein gut gefüllter Magen kann die Belastung durch Bewegung deutlich abmildern.

Gastroskopie: Warum du nicht nur mit Fütterung herumprobieren solltest 

Diagnose, Therapie und Fütterung gehören zusammen. So wichtig Fütterung und Management für die Magengesundheit des Pferdes sind – sie ersetzen keine fundierte Diagnose. Magenprobleme können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und sowohl den drüsenlosen als auch den drüsenhaltigen Teil des Magens betreffen. Art, Lage und Schweregrad der Veränderungen lassen sich nur mittels Gastroskopie sicher beurteilen.

Das „Herumprobieren“ mit Futtermitteln oder Ergänzungen ohne vorherige Diagnostik ist deshalb nicht zielführend. Ohne zu wissen, ob, wo und wie stark der Magen betroffen ist, lässt sich weder eine sinnvolle Therapie noch eine gezielte Fütterungsanpassung ableiten. Auch Medikamente wirken je nach Befund unterschiedlich und müssen entsprechend eingesetzt werden. 

Eine erfolgreiche Behandlung von Magenproblemen basiert immer auf drei Säulen:

  • tierärztliche Diagnose und ggf. medikamentöse Therapie,

  • angepasste Fütterung,

  • durchdachtes Management im Alltag und Training.

Gerade weil die Rückfallquote bei Magenproblemen hoch ist, ist es entscheidend, diese drei Bereiche nicht getrennt zu betrachten, sondern sinnvoll miteinander zu kombinieren. Fütterung und Management unterstützen die Therapie – sie ersetzen sie jedoch nicht.

Welche Futtermittel neben Raufutter sinnvoll sein können

Neben einer stabilen Raufutterbasis können bestimmte Futtermittel bzw. Futterkomponenten gezielt dazu beitragen, den Magen weniger zu belasten und die Fütterung magenfreundlicher zu gestalten. Entscheidend ist dabei immer, dass sie Raufutter ergänzen, nicht ersetzen, und sinnvoll in die Gesamtration eingebunden werden.

Bewährt haben sich unter anderem:

  • Entmelassierte Rübenschnitzel

    Sie liefern gut verdauliche Rohfaser und Pektine, verlängern die Fressdauer und sind frei von Stärke. Dadurch belasten sie den Magen deutlich weniger als klassische Kraftfuttermittel. Pektin bildet in Reaktion mit Säure ein Gel, welches speziell magenverträglich ist. Unmelassierte Rübenschnitzeln liefern zuckerarme, dickdarmverdauliche Fasern und können bei Bedarf auch als Heuaufwertung eingesetzt werden, zB. bei erhöhtem Kalorienbedarf (zB Sportpferde, alte Pferde)
  • Luzernecobs oder frische Luzerne in moderaten Mengen
    Luzerne ist strukturreich und calciumhaltig. Das enthaltene Calcium kann nachweislich zur ernährungsphysiologischen Pufferung beitragen. Luzerne ist zuckerarm und reich an essenziellen Aminosäuren und kann auch für zucker- oder stärke-empfindliche Pferde gut eingesetzt werden.

  • Leinsamenzubereitungen als Fettsäuren-, Ballastoff- und Energiequelle
    Leinsamen liefern Energie über Fett, sind reich an Omega-3-Fettsäuren, Schleimstoffen und Ballaststoffen, auch an Aminosäuren und gelten als gut verträglich für den Magen und Darm. Im Gegensatz zu omega-6-reichen Fettquellen wirken sie nicht zusätzlich entzündungsfördernd. Sie können sehr gut bei empfindlichen Pferden nicht nur ergänzend sondern auch bei erhöhtem Kalorienbedarf eingesetzt werden. 

  • Puffernde Komponenten mit hohem Calciumgehalt
    Calciumreiche Futterkomponenten wie zB Algenkalk können zur ernährungsphysiologischen Unterstützung des Säure-Basen-Gleichgewichts beitragen und werden deshalb häufig in magenfreundlichen Rationen eingesetzt. 

  • Lecithin
    Lecithin liefert Phospholipide, die Bestandteil biologischer Membranen sind und im Zusammenhang mit der Schleimhautversorgung des Verdauungstrakts diskutiert werden.  In Kombination mit Omega-3-Fettsäuren aus Leinsamen können sie zur ernährungsphysiologischen Unterstützung der natürlichen hydrophoben Barriere der Magenschleimhaut beitragen. Diese wasserabweisende Schutzschicht erschwert den direkten Kontakt der Schleimhaut mit Magensäure.

  • Schleimbildende Futtermittel
    Dazu zählen beispielsweise Haferflocken, gekochte, ausgeschleimte Leinsamen sowie bestimmte Kräuter wie zB. Eibisch. Diese Futtermittel bilden in Verbindung mit Flüssigkeit Schleimstoffe, die den Mageninhalt physikalisch beeinflussen können und daher gerne für die Zubereitung von Magenmashes eingesetzt werden.

Öl ist nicht 'magenschonend' – ein häufiger Irrtum

Öle werden oft eingesetzt, um Energie bereitzustellen oder Gewicht aufzubauen. Dabei wird ihnen gelegentlich auch eine schützende Wirkung auf den Magen zugeschrieben. Diese Annahme ist nachweislich nicht haltbar. Große Ölmengen können die Magenentleerung verzögern und bei empfindlichen Pferden Unwohlsein verursachen. Zudem sind viele gängige Pflanzenöle reich an Omega-6-Fettsäuren, die bei hoher Aufnahme entzündungsfördernde Prozesse begünstigen können.

Fett ist nicht grundsätzlich ungeeignet, sollte aber gezielt, moderat und mit Blick auf das Fettsäureverhältnis eingesetzt werden. Optimal füttert man fettreiche Futtermittel in Form von Saaten, hier ist der Leinsamen am idealsten. 

Magen und Darm – zwei eng verbundene Systeme

Magenprobleme betreffen selten nur den Magen allein. Der Magen beeinflusst maßgeblich, in welchem Zustand der Nahrungsbrei in den Darm gelangt. Ist die Vorverdauung gestört oder der Mageninhalt zu sauer, kann dies die weitere Verdauung beeinträchtigen. Unzureichend aufgeschlossene Nahrung gelangt in den Dickdarm, wo sie das empfindliche mikrobielle Gleichgewicht stören kann.

Langfristig können daraus Folgeprobleme wie eine verminderte Nährstoffverwertung, Gewichtsverlust, Schwerfuttrigkeit oder Kotwasser entstehen. Deshalb ist es bei magenempfindlichen Pferden wichtig, die gesamte Verdauungskette im Blick zu behalten.


Zusammenfassung

Magenprobleme beim Pferd sind häufig und sie können sich leider auch in relativ kurzer Zeit entwickeln. Sie sind das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Anatomie, Fütterung, Kauen, Stress und Belastung. Viele Pferde zeigen im Anfangsstadium kaum Symptome, das Problem bleibt daher lange unbemerkt.

Ein nachhaltiger Umgang mit magenempfindlichen Pferden erfordert daher ein gutes Verständnis der Magenphysiologie, eine konsequent angepasste Fütterung und ein stressarmes, gut strukturiertes Management. Medikamente können notwendig sein, ersetzen aber keine langfristigen Anpassungen im Alltag.

Quellen (Auswahl):
Murray (1994), Andrews et al. (1999), Luthersson et al. (2009), Sykes et al. (2015), Sykes et al. (2023), Hewetson & Sykes (2022), Pedersen et al. (2023), Meyer & Coenen (2014), Harris (2016), Lichtenberger (2006), Calder (2010)


Häufige Fragen zu Magenproblemen beim Pferd (FAQ)

Was versteht man unter Magenproblemen beim Pferd?

Magenprobleme umfassen Schleimhautreizungen, erhöhte Säurebelastung und funktionelle Störungen des Magens. Nicht jedes magenempfindliche Pferd leidet an einem Magengeschwür.

Können Magenprobleme schnell entstehen?

Ja. Unter ungünstigen Bedingungen wie Stress, Fresspausen oder Training auf leerem Magen können sich Schleimhautveränderungen bereits innerhalb weniger Tage entwickeln.

Warum ist Raufutter für den Pferdemagen so wichtig?

Raufutter fördert Kauen und Speichelbildung. Der bicarbonathaltige Speichel und der faserreiche Mageninhalt wirken als natürlicher Säurepuffer und schützen die Magenschleimhaut.

Ist Training auf leerem Magen problematisch?

Bei Bewegung steigt der Druck im Bauchraum, wodurch Magensäure leichter in empfindliche Magenbereiche gelangen kann. Ein mit Raufutter gefüllter Magen wirkt dagegen schützend.

Wie lassen sich Magenprobleme beim Pferd sicher diagnostizieren?

Eine sichere Diagnose ist ausschließlich über eine Gastroskopie durch den tierarzt möglich. Nur sie erlaubt eine verlässliche Diagnose und darauf abgestimmte Therapie. Wichtig ist auch die Kontroll-Gastroskopie. 

Hängen Magen- und Darmgesundheit zusammen?

Ja. Störungen im Magen beeinflussen die Vorverdauung und können die Darmflora sowie die Nährstoffverwertung negativ beeinflussen. Deshalb sollte immer die gesamte Verdauung betrachtet werden.


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